Leukämien & Lymphome

Leukämie wird im Volksmund häufig mit Blutkrebs gleichgesetzt. Der Begriff entstammt dem Griechischen und bedeutet „weißes Blut“. Dabei gibt es neben einer Leukämie noch andere Arten von Blutkrebs. Wichtig für die Unterscheidung ist der Ursprung der Erkrankung: Liegt er im blutbildenden System, handelt es sich um eine „Leukämie“, liegt er im lymphatischen System, muss strenggenommen von einem „Lymphom“ gesprochen werden.

Für die Einteilung von Blutkrebserkrankungen kommt es darüber hinaus darauf an, welche Zelllinie im konkreten Fall betroffen ist – lymphatisch oder myeloisch (das Knochenmark betreffend) – und in welcher Geschwindigkeit sie voranschreiten – akuter oder chronischer Verlauf.

Die häufigste Form von Blutkrebs in Mitteleuropa ist die chronische lymphatische Leukämie (CLL). Die akute myeloische Leukämie (AML) ist die bei Erwachsenen am häufigsten auftretende akute Blutkrebsform.

Chronische lymphatische Leukämie (CLL)

Was genau ist eine CLL?

Die chronische lymphatische Leukämie (CLL) entsteht nicht wie andere Blutkrebsformen im Knochenmark, sondern nimmt ihren Anfang im lymphatischen System. Daher wird sie – trotz ihres Namens – den Lymphomen und nicht den Leukämien zugeordnet bzw. stellt eine Unterform der sogenannten Non-Hodgkin-Lymphome dar. Die bösartig veränderten Lymphomzellen sind aber auch immer im Blut zu finden (leukämischer Verlauf).

Bei der CLL kommt es zu einer krankhaften, unkontrollierten Vermehrung unreifer B-Lymphozyten, einer Untergruppe der weißen Blutzellen (Leukozyten), die aus der sogenannten lymphatischen Zelllinie hervorgehen. Die entarteten, unreifen Lymphozyten können ihre eigentliche Funktion der Immunabwehr nicht mehr erfüllen. Auch verdrängen sie die gesunden weißen Blutzellen und wandern vom lymphatischen System (Lymphknoten, Leber, Milz) ins Blut und Knochenmark. Im Knochenmark wird dadurch die Bildung von roten Blutkörperchen (Erythrozyten) und Blutplättchen (Thrombozyten) gehemmt.

Eine CLL wird meist zufällig im Rahmen von Routineuntersuchungen entdeckt, da die Betroffenen anfangs keine Beschwerden haben. Im Verlauf und vor allem im fortgeschrittenen Stadium kommt es durch den Mangel an funktionstüchtigen Leukozyten, Erythrozyten und Thrombozyten zu einer Verminderung der Leistungsfähigkeit und andauernder Müdigkeit sowie zu erhöhter Blutungsneigung und Infektanfälligkeit. Häufig sind Lymphknoten und Milz vergrößert.

Die CLL verläuft häufig schleichend – oft dauert es Jahre, bis sich Symptome bemerkbar machen. Ob jemals eine Therapie notwendig wird und wie genau diese aussieht, hängt von der Ausprägung der Erkrankung ab. Etwa ein Drittel der Patienten benötigt sofort eine Anti-Krebstherapie, ein Drittel erst zu einem späteren Zeitpunkt, ein Drittel kann ohne Behandlung mit der Erkrankung leben.

CLL in Deutschland

In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 5.600 Menschen an einer chronischen lymphatischen Leukämie.1 Männer sind häufiger betroffen als Frauen; die Betroffenen sind meist in einem fortgeschrittenen Alter zwischen 70 und 75 Jahren.

Die Ursachen einer CLL sind noch unklar. Neben dem Alter werden als Risikofaktoren gewisse Schadstoffe wie Asbest oder Pestizide diskutiert.

Diagnose und Therapie der CLL

Ausgangspunkt ist oft eine Verdachtsdiagnose, die sich im Rahmen einer Routineuntersuchung beim Hausarzt ergibt. Für einen genauen Befund wird der Patient zum Spezialisten, dem Hämatologen oder Onkologen, überwiesen. Unter anderem wird dieser die Anzahl der weißen Blutzellen überprüfen. Liegt die Anzahl der B-Lymphozyten bei mehr als 5.000 pro Mikroliter, spricht man von einer chronischen lymphatischen Leukämie. Neben einem Differentialblutbild und einer körperlichen Untersuchung helfen dem Fachmann auch laborchemische Tests und die Sonographie dabei, die Diagnose CLL abzusichern.

Bei Menschen mit CLL kann heute mit modernen Therapieoptionen auch eine fortgeschrittene Erkrankung zurückgedrängt und ein weiteres Fortschreiten verzögert werden. Hierzu zählen die Chemotherapie, die Behandlung mit zielgerichteten Therapien, die kombinierte Gabe aus Chemotherapie und zielgerichteten Therapien, aber auch chemotherapiefreie Kombinationen.

Akute myeloische Leukämie (AML)

Was genau ist eine AML?

Bei einer akuten myeloischen Leukämie (AML) kommt es zu einer Veränderung des Erbguts in Vorstufen sogenannter myeloischer Zellen im Knochenmark, aus denen u. a. Vorstufen der weißen Blutzellen entstehen. In der Folge kommt es zu einer unkontrollierten Teilung und schnellen Vermehrung unreifer, nicht funktionsfähiger weißer Blutzellen im Knochenmark. Letztendlich kommt es zu einer starken Beeinträchtigung der gesamten Blutbildung durch Verdrängung gesunder Zellen. Dies bedingt eine entsprechende Symptomatik: Das Fehlen roter Blutkörperchen verursacht Atemnot, Abgeschlagenheit und eine verminderte Leistungsfähigkeit. Der Mangel an funktionstüchtigen weißen Blutzellen beeinträchtigt die Immunabwehr bzw. es kommt gehäuft zu Infekten und Entzündungen. Zudem können sich die entarteten, funktionslosen Zellen über das Blut und das lymphatische System im Körper ausbreiten und z. B. an den Organen Schäden verursachen.

Bei einer AML-Diagnose lautet die Devise „Gefahr im Verzug“. Denn unbehandelt kann ein Mensch die Erkrankung nur wenige Wochen oder Monate überleben. Die Symptome verschlimmern sich oftmals innerhalb weniger Tage.

AML in Deutschland

Wie die CLL betrifft auch die AML überwiegend ältere Menschen: Zum Zeitpunkt der Diagnose beträgt das durchschnittliche Alter 72 Jahre. Pro 100.000 Einwohnern treten pro Jahr etwa 3,7 Fälle dieser Leukämieform auf.2 Die Gründe für die im Erbgut der myeloischen Vorläuferzellen auftretenden Veränderungen sind noch nicht hinlänglich bekannt. Es steht aber fest, dass es sich nicht um eine Erbkrankheit handelt, sondern die genetischen Veränderungen im Laufe des Lebens entstehen. Hinzu kommen gewisse Risikofaktoren, die die Erkrankungswahrscheinlichkeit erhöhen: Dazu zählen Nikotingenuss, Kontakt mit bestimmten Chemikalien und radioaktive Strahlung.

Diagnose und Therapie der AML

Liegt der Verdacht für eine AML-Erkrankung vor, wird zunächst ein Blutbild erstellt. Finden sich hier Hinweise auf eine AML (u. a. viele unreife Zellen im Blut), erfolgt die Entnahme und genaue Analyse einer Knochenmarkprobe.

Der Verlauf der Erkrankung und auch die Wirksamkeit von AML-Therapien wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Neben dem Alter der erkrankten Person und ihrem körperlichen Zustand bzw. bereits bestehenden Erkrankungen spielen genetische Veränderungen eine große Rolle. Auf Basis der entnommenen Knochenmarkprobe werden die erkrankten Zellen im Labor daher in Hinblick auf ihre äußeren Merkmale (Morphologie) sowie mögliche genetische Auffälligkeiten analysiert. So wird vor Therapiebeginn ein genaues Bild der vorliegenden AML-Unterform gezeichnet.

Während sich die Behandlungsmöglichkeiten für jüngere, fitte AML-Patienten durch intensive Chemotherapien und Stammzelltransplantationen schon seit längerem verbessert hatten, waren die Behandlungsoptionen für ältere oder gebrechliche Menschen mit AML lange Zeit sehr begrenzt. Nach jahrzehntelangem Stillstand stehen nun aber auch hier moderne Kombinationstherapien zur Verfügung, die die Krankheit besser kontrollieren als bislang für diese Patientengruppe eingesetzte niedrig dosierte Chemotherapien.

Sie möchten mehr über Leukämien wissen?

Sie selbst sind bzw. eine Person, die Ihnen nahesteht, ist an einer Leukämie erkrankt? Dann finden Sie auf den Seiten von AbbVie Care weitere Informationen sowie Hilfsangebote rund um die CLL und AML.

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